Munchmuseet, MM K 3082

MM K 3082, Munchmuseet. Datert 12.01.1906 . Brev fra Gustav Schiefler.

Vis forklaring av tegn og farger i visningen

Lukk forklaring av tegn og farger i visningen

Forklaring av tegn og farger i visningen

NB: Kombinasjoner av virkemidlene forekommer!

Munchs skrevne tekst

overstrøket tekst

Munchs skrevne tekst

Munchs skrevne tekst

tekst skrevet av andre enn EM selv

store strykninger gjort med strek, kryss el.l.

fet tekst er trykt tekst

{overskrevet tekst}

\tilføyd tekst i linjen/

tilføyd tekst over linjen

tilføyd tekst under linjen

lakune/uleselig tekst merkes med ...

‹uklar/vanskelig leselig tekst›

endring av rekkefølgen på ord
Billederne forhåbentlig2 bliver1 god

Skriv ut visningsforklaring
    
Hamburg 12 Januar 1906



    Lieber Herr Munch!


    Gestern Nachmittag kam das Pa-
ket von Ihnen an. Sie können den-
ken, mit welcher Spannung wir es
öffneten. Wir beide haben grosse Freu-
de an dem Bild. Es wird, denke ich, wohl
immer so sein, dass man, wenn man
zuerst ein von einem Künstler gemach-
tes Portrait von sich sieht, zuerst ir
gend etwas Neues oder Befremdli-
ches darin findet, aber ich denke nicht
daran, darum das Bild \für/ weniger gut
zu halten. Es ist doch natürlich, dass
der eine Mensch in einem Gesichte
etwas anderes sieht, wie ein anderer,
und wenn dieser eine Mensch ein

 

      

Künstler ist, wird das in beson-
derem Masse der Fall sein. Es
ist doch gerade seine eigene indi-
viduelle Auffassung, die er hin-
einlegen will und soll. Mich inter
essirt es darum immer ganz ausser
ordentlich, diesem Individuellen
nachzuspüren. Mir giebt das Bild
in sehr starkem Grade den Eindruck
des Momentes wieder, in dem es ent
standen ist: die heitere Unterhal
tung über die ernstesten Dinge.
Ich meine, es ist ein sehr lebendiger
Ausdruck darin. Meiner Frau
ist es ähnlich gegangen wie mir;
zuerst war ihr irgend etwas hin
derlich; jetzt hat sie sich hineinge-

 

      

sehen und ist ebenso erfreut dar-
über wie ich. Nun ist sie noch furcht-
bar gespannt auf den kleinen Engel
Haben Sie vielen herzlichen Dank für
die Radirung; ich bin ganz stolz dar
auf.

    Und ich habe Ihnen noch mehr zu
danken. Dass Sie mir die Blätter
die wir in Elgersb. zusammen für
mich aussuchten, zum Geschenke ma-
chen wollen, ist wirklich eine grosse
Freundlichkeit von Ihnen. Es ist so
viel, dass ich fast Bedenken haben
könnte, es anzunehmen; und ich wür-
de es auch nicht thun, wenn ich nicht
wüsste, dass Sie die Blätter wirklich
mit freundlichem Herzen und gern
geben. Also schlage ich mit Freuden

 

      

ein und sage Ihnen sehr herzli
chen Dank. Dieser Besitz macht
mir als dem Sammler ganz un-
bändige Freude; die Sachen liegen
auf meinem Sofatisch, und wenn
ich mal von der Arbeit aufstehe,
nehme ich eins oder das andere
Blatt heraus und erquicke mich
an ihm.

    Gleichzeitig mit dem Paket gestern
kam ein Buch, welches mir Lilien
cron
schickte, weil er, wie er schrieb,
wisse, dass ich mich für Sie so sehr
interessire. Es ist von Moeller van
den Bruck
, einem Berliner Schrift
steller, und heisst „Die Zeitgenossen”.
Darin findet sich ein Ihnen gewid
meter Artikel, der hohen Lobes und

 

      

und hoher Anerkennung voll
ist. Kennen Sie ihn schon?

    Sie fragen nach unserer Wahl
rechtsangelegenheit; sie kommt näch
sten Mittwoch in der Bürgerschaft
zur Verhandlung. Meinen Artikel ha-
be ich geschrieben, aber noch nicht
abgesandt, weil ich nicht die nöthige
Zeit zur Durcharbeitung hatte. Viel-
leicht geht er morgen ab.

    Bei Commeter werde ich noch ein-
mal mahnen.

    Vorgestern sind die Kupferplatten
abgegangen. Hoffentlich sind sie in
gutem Stande angekommen

    Mit dem Katalog hoffe ich nun
gut voran zu kommen. Anfang Fe-
bruar denke ich nach Berlin zu
Bruno Cassirer zu gehen, um den

 

      

Bestand dort durchzugehen.
Sollten sich für den Buchschmuck
nicht die Blätter Holzschnitt
Blätter mit den Strandlandschaf
ten (Am Abend etc) in verklei
nertem Masse sehr gut eignen?

    Meine Frau will Ihnen noch
selbst schreiben. Die Kinder grüs
sen herzlich.

    
    Mit sehr freundschaftlichen
Grüssen

    
Ihr
ergebenster
Schiefler.

    Meine Frau meint,
der Brief klänge so,
als wenn ich an dem
Bilde was auszuse-
tzen hätte. Das ist nicht
der Fall; ich habe riesige
Freude daran.